Um uns herum basiert alles auf Mathematik: die Wände, die Möbel, die Kleidung, die Bücher, das Geschirr, das ganze Haus, die Straße, die Farben, die Töne, die Regierung... "Alles ist Zahl" (Pythagoras).
In vielen Wohnungen sind die Katzen das einzig Lebendige - Unberechenbare. Sie gehören inzwischen zu den beliebtesten Haustieren, aber manche halten es im Haus nicht aus. Allein in Berlin soll es 30.000 verwilderte Katzen geben (in New York 1,4 Millionen). Man befürchtet, dass von allen Raubkatzen weltweit nur die (urbane?) Hauskatze überleben wird.
Helmut Höge ist mit Katzen aufgewachsen und hat sich in die riesige Menge an Literatur über sie vertieft, sein Buch "Katzen" handelt aber auch von Großkatzen - Löwen, Tigern, Leoparden und Geparden - ihrer Zähmung und Auswilderung.
Der Philosoph Hans Blumenberg hat die Löwen des Malers Henri Rousseau einmal als "verhinderte Löwen" bezeichnet, denn Rousseau habe das Paradies gemalt. Paradiese aber "sind dadurch definiert, dass in ihnen Löwen am wenigsten das sein können, was sie sind..." Da das Jagen und Töten der Löwen gewissermaßen ihre Kernkompetenz ist, um sich zu ernähren, werden sie darin nicht glücklich. Ähnliches gilt vielleicht auch für die Kleinkatzen im Haus. Zwar hat die Verhaltensforschung mittlerweile viel vom Nimbus des Löwen abgetragen, wie Hans Blumenberg meint, aber da unsere Wahrnehmung "in Zoo- und Zirkuskindheiten ihre Prägung bekam", werde noch viel Zeit vergehen, bis sich das Bild vom Löwen ändert. Und deswegen muß "auch ohne naturschützerische Gebärde gesagt werden, dass eine Welt ohne Löwen trostlos wäre." Helmut Höge macht dies für alle großen und kleinen Katzen in seinem Buch geltend.
Verlag Peter Engster, Januar 2018, 52 Seiten, Broschur
Helmut Höge ist seit vielen Jahren Autor und Aushilfshausmeiser der taz.
2014 wurde ihm der renommierte Ben Witter Preis verliehen.
Weitere Bücher von Helmut Höge im taz Shop.
Reihe "Kleiner Brehm" Band 9
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